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Hyperfluid Circumstances

Performance, 2020

Drei Performerinnen interagieren mit den im Raum installierten Objekten und binden die Rezipient*Innen nach und nach in die Performance ein. Die Atmosphäre im Raum ist durch das Lächeln der Performerinnen, atmosphärische Hintergrundmusik,
Duft und gedämpftes Licht geprägt.




Hyperfluid Circumstances adressiert die Thematik der affektiven Arbeit, welche nicht nur körperliche, sondern auch intellektuelle und emotionale Fähigkeiten einsetzt, um immaterielle Produkte wie Wissen, Informationen, Komminukation, Beziehungen oder Gefühlsregungen zu schaffen und Affekte wie Behagen, Befriedigung, Erregung oder Leidenschaft hervorzubringen.




Vor allem die Care- und Reproduktionsarbeit, welche in unserer Gesellschaft hauptsächlich von Frauen geleistet wird, übt einen massiven Druck auf das Subjekt aus, indem sie diesem eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung aufdrängt, welche es im Privaten zu tragen gilt. Die Performance dient als künstlerisches Experiment dafür, wie ein Umgang mit dieser Art der Verantwortung funktionieren könnte.



Eingebettet in eine inszenierte Wohlfühlatmosphäre werden die Rezipient*Innen graduell und immersiv in die Performance eingebunden: Sie werden einerseits umsorgt - ihre Garderobe wird entgegengenommen und sie bekommen transparente Capes zum Überziehen ausgehändigt - andererseits werden sie dazu gebracht, nach und nach die Tätigkeiten der Performerinnen zu übernehmen. So finden sie sich in der Situation wieder, eine Lichtinstallation festzuhalten oder einen Handventilator überreicht zu bekommen.
Nachdem die Performerinnen den Raum nach und nach verlassen, bleiben die Rezipient*Innen alleine im Raum zurück. Lässt sich die Atmosphäre, welche zu Beginn der Performance noch durch die körperliche Präsenz und das Lächeln der Performerinnen geprägt war, auch aufrechterhalten sobald diese abwesend sind? Wie lässt sich eine Verantwortung, die sonst auf den einzelnen Subjekten lastet, in einen Zustand überführen, der gemeinschaftlich erlebt, getragen und weitergegeben wird? Die Performance stellt Resonanzerfahrungen und Entfremdungszustände her und wirft Fragen über kollektive versus individuelle Verantwortung auf.